Reise blog von Travellerspoint

Mittwoch, 24.11.2010

Frostiger Empfang

sunny 2 °C

Lange hat die Wartezeit am Bahnhof München bis zur Abfahrt des Zuges nach Villach gedauert. Aber pünktlich um 23:40 Uhr setzten sich die Räder in Bewegung und der letzte Abschnitt unserer Reise konnte beginnen. Wir hatten im Wagen 279 eine Sitzplatzreservierung und so war wenigstens garantiert, dass wir den Weg von München über Salzburg nach Villach nicht stehen mussten.

Nachdem der Schaffner unsere Fahrkarten gezwickt hatte, machten wir es uns im Abteil etwas gemütlich. Ohne Halt ging es bis zur Grenze in Freilassung, wo Lokführer und Schaffner wechseln. Da EU, gibt es keine Grenzkontrollen mehr, obwohl die Polizei einmal durch den Zug patrollierte. Der österreichische Schaffner machte uns noch darauf aufmerksam, auf unsere Wertsachen aufzupassen, da es in diesem Nachtzug immer wieder zu Überfällen kommen würde. Angesichts seines Umfangs hatten wir eigentlich keine Bedenken um unsere Sicherheit, da er aber alleine für alle 9 Wagons zuständig sei, könnte er nicht überall zugleich sein.

Da der Zug dann nur noch in Salzburg, Schwarzach St. Veit, Bad Gastein und Mallnitz anhielt, verging die Zeit doch fast wie im Fluge. Pünktlich um 3:51 Uhr erreichten wir Villach Hauptbahnhof. Dort erwartete uns Eiseskälte, 2 Grad, wo wir doch noch vor 36 Stunden bei 32 Grad an der Copacabana Spazieren gegangen waren! Welch frostiger Empfang. Umso herzlicher jedoch begrüßte uns Olaf, Herthas Schwiegersohn, der dankenswertweise so früh aufgestanden war, um uns abzuholen.

Komisch war es, sich wieder auszukennen. Schnell hatte man wieder ein Gefühl der Sicherheit, denn man wusste schon wohin uns diese Straße führen würde, nämlich nach Hause!

Wie schön ist es zu verreisen, doch wie schön ist es, wieder an einen Ort zurückzukehren, an dem man weiß, dass man liebevoll erwartet wird.

Herzlichen Dank all jenen, die uns die Tage über zu Hause mit ihren guten Gedanken begleitet haben. Großen Dank an Melitta, die jeden Tag das Reiseprogramm des Veranstalters auf diese Seite gestellt und in mühevoller Kleinarbeit meine Z und Y und die Umlaute ausgebessert hat. In den nächsten Tagen und Wochen werden die jeweiligen Seiten noch ergänzt und vollständigt. Bilder gibt es in Hülle und Fülle und da wartet noch ein ganz schöner Brocken auf mich. Aber so kann ich die Reise immer wieder von Neuem erleben und habe länger etwas davon.

Gut, dass wir wieder gesund gelandet sind, was nicht selbstverständlich ist, wie wir gerade bei dieser Reise feststellen mussten.
Körperlich sind wir hier, doch unsere Gedanken sind zum Teil noch immer in Rio.
Wir hoffen jedoch, dass auch Franz und Hilde uns bald in die Heimat folgen können.

Eingestellt von fegoesrio 23:13 Archiviert in Oesterreich

Dienstag, 23.11.2010

Good Old Europe

overcast 17 °C

An Madrid 09:50 Uhr

Ab Madrid 16:00 Uhr

An München 18:25 Uhr

Mit Eisenbahn nach Villach

Ab München 23:40 Uhr

Eingestellt von fegoesrio 23:12

Montag, 22.11.2010

Traum oder Alptraum

sunny 33 °C

Am letzten Tag unserer Reise standen wir etwas später auf und ließen uns Zeit beim Frühstücken. Bis zum Transfer zum Flughafen stand die Zeit zur freien Verfügung. Erst abends würde unser Rückflug mit der Iberia nach Madrid starten. Ich wollte mich ausgiebig von Rio verabschieden. Ich war mir noch immer nicht ganz im Klaren, ob Rio tatsächlich meine Traumstadt wäre. Ebenfalls hatte ich vor, dies bei einem Spaziergang entlang der berühmten Copacabana festzustellen. Peter wollte zwar die entgegensetzte Richtung des Strandes erkunden, entschloss sich dann aber doch, mir zu folgen. Hertha hatte noch immer nicht für all ihre Lieben Geschenke eingekauft und nutzte die Zeit, um dies noch zu erledigen.

Der Sandstrand des Stadtteils Copacabana ist einer der bekanntesten Rio de Janeiros und ist circa vier Kilometer lang. Laut Berichten erhielt der Stadtteil seinen Namen durch Marienkunstwerke, die aus dem gleichnamigen, als Wallfahrtsort weit bekannteren Copacabana am Titicacasee in Bolivien eingeführt wurden. Dessen Name wird einerseits aus der Indiosprache kommend mit „Sicht auf den See“ erklärt, könnte sich aber auch vom Namen einer frühzeitlichen Wassergottheit, die ähnlich einer Aphrodite oder Venus war, herleiten. Der halbmondförmige Strand mit der Promenade wird auch „Princesinha do Mar“ (Kleine Meerprinzessin) genannt und sah in den 1930er, 1940er und 1950er Jahren sein goldenes Zeitalter. Als Stadtteil der Bohème, des Reichtums und des Glanzes ist Copacabana zum Thema vieler Musikstücke, Bücher und Bilder geworden. (teilweise aus Wikipedia)

Häuserfronten an der Copacabana

Häuserfronten an der Copacabana

Nach den Menschenmassen des Wochenendes konnte sich der Sand mit Wochenbeginn etwas erholen. Das Gehen im weichen Sand, Blick immer auf den Zuckerhut gerichtet, tat gut und die Bewegung würde helfen, den langen Flug besser zu überstehen. Ich wollte die 4 Kilometer bis zum bitteren Ende bewältigen. Ohne die vielen Sonnenanbeter hatte man freien Blick auf die Strandpromenade und die dahinterliegenden Häuserfronten. Die meisten dieser Gebäude wurden während der Kriegszeit in Europa errichtet. Nachdem die Cote d’Azur für die Reichsten der Welt zu gefährlich wurde, verlagerten sie ihre Partys an den Strand von Rio. Die Hotels wurden in der damaligen Zeit sicher als 4-Sterne Residenzen errichtet. Danach wurde wohl kein müder Pesos mehr investiert, um sie auf den heutigen Standard zu bringen. Zum Teil sahen sie richtig heruntergekommen aus.

Hotel Copacabana Palace, Rio

Hotel Copacabana Palace, Rio

Einzig das Copacabana Palace, das schon seit 1923 Gäste von Rang und Namen willkommen heißt, wurde nicht nur renoviert, sondern auch modernisiert und auf den heutigen Stand gebracht. Ein Blick in das Goldene Gästebuch des Copacabana Palace genügt, um zu erkennen, dass das Hotel zu den besten der Welt zählt. Aber ein solches Hotel alleine reicht nicht aus. Die bis zu zwölfstöckigen Gebäude verdecken eigentlich nur die dahinterliegende Armut. An den steilen Hängen hinter den ersten zwei Straßenzügen befinden sich dicht aneinander gebaut die kleinen Hütten der Armen, wohin keine breiten Straßen führen, es keine Bäder mit Fließwasser und keine Kanalisation gibt. Armut und Reichtum liegen hier nur durch eine Straßenbreite von einander getrennt.

Rio mit Favela hinter der Copacabana

Rio mit Favela hinter der Copacabana

Eine bizarre Felsformation unterhalb des Zuckerhutes versperrte uns dann schließlich den Weg. In einer Bude kaufte ich noch eine Dose Guarani als Durstlöscher. Obwohl entlang des Strandes immer eine leichte Brise wehte, spürte man doch die Temperaturen des Südens. Vieles war mir bis hierher durch den Kopf gegangen. Zur Schönheit einer Stadt gehört für mich auch die Lebensqualität. Die kann sich hier sicher nur eine privilegierte Schichte mit gefüllter Brieftasche leisten. Hier wurde mir auch wieder bewusst, dass man sich Sicherheit nicht kaufen kann. Einen Strandspaziergang zu machen und dabei immer auf seine Habseeligkeiten aufpassen zu müssen kann ganz schön ermüdend sein. Ich kehrte dann dem Zuckerhut den Rücken und blickte nicht mehr zurück. Hinter den Hochhäusern sah ich nochmals den Corcovado. Christus breitete schützend seine Hände über die Stadt und ihre Menschen aus. Diesen Schutz hatten sie auch dringend nötig.

Nachdem wir unsere Füße vom feinen Sand gesäubert hatten, überquerten wir die Promenade und tauchten wieder in den Lärm des Alltags ein. Schnell waren wir dann im Hotel, um dann dort eine völlig aufgelöste Sabine vorzufinden. Als ich sie fragte, was los sei, gab sie mir nur zur Antwort: „Später!“. Ich sah dann, dass sie aufgeregt mit ihrem Handy telefonierte. Nachdem sie das Gespräch beendet hatte, kam sie zu mir. Sie hatte eine schreckliche Geschichte, die sie erzählen musste.

Sie war nach dem Frühstück mit Hilde und Franz zum Strand aufgebrochen. Franz war der beste Schwimmer unserer Gruppe und hatte sich schon auf das Eintauchen ins kühle Nass gefreut. Allerdings hatte er nicht mit der Wucht der Welle gerechnet. Von den Energien, die hier frei wurden, wurde er voll getroffen. Blut rann durch die Platzwunde auf seinem Kopf über sein Gesicht. Auch hatte er in einer Hand kein Gefühl gehabt und ihn war schwindlig geworden. Mit großer Mühe hatte er es zum ausgebreiteten Handtuch zurück geschafft. Zufällig kam Gundula, eine Krankenschwester aus unserer Gruppe, vorbei. Franz wollte noch selbst zurück ins Hotel gehen. Auf Grund seines Zustandes entschloss man sich, sich an die Wasserrettung zu wenden, die wiederum sofort die Rettung verständigte. Sabine übernahm den Part des Dolmetsches, denn Hilde kann nur unzureichend Englisch und natürlich keiner von uns Portugiesisch.

Bevor die Rettung kam, erklärte Hilde Sabine noch schnell, wo sie Dokumente, Geld und Kreditkarte finden würde und wen sie anrufen sollte. Vom Rettungsfahrer erfuhr Sabine in welches Krankenhaus Franz eingeliefert werden würde. Jeder unserer Reiseleiter durch den südamerikanischen Kontinent hatte hinterlassen, wie er zu erreichen sein würde, falls wir Hilfe benötigen sollten. Gerade Hannelore nicht. Jetzt sollte sich erweisen, wie wichtig so etwas ist. Sabine erreichte trotz Zeitverschiebung jemanden auf der Notfallnummer von Marco Polo Reisen. Diese haben wiederum ihren Vertragspartner in Rio angerufen und diese unsere Reiseleiterin. Ich begleitete Sabine auf das Zimmer des Verunglückten, damit sie alle notwendigen Dinge besorgen konnte. Auch packten wir alles in die Koffer, damit das Zimmer dann eventuell zeitgerecht geräumt werden konnte.
Bevor Sabine mit der herbeieilenden Reiseleiterin das Hotel verließ, gab sie mir ihren Zimmerschlüssel und ich versprach, falls sie nicht bis 16:00 Uhr zurück sein sollte, all ihre Habseeligkeiten in ihren Koffer zu verstauen und das Zimmer zu räumen. Ich hoffte, dass es nicht dazu kommen würde. Dann erst räumten wir unser Zimmer und setzten uns in die Lobby des Hotels, wo sich die schreckliche Nachricht vom Unfall schon verbreitet hatte. Eigentlich wollten wir nochmals unsere Stammkneipe aufsuchen und dort vor dem Abflug noch etwas Gutes essen. Da ich jedoch alle Zimmerschlüssel hatte und Sabine versprochen hatte im Hotel erreichbar zu sein, entschlossen wir uns, im Hotelrestaurant zu essen. Obwohl das Essen recht gut zubereitet war, aßen wir ohne unsere übliche Begeisterung und Hingabe.

Gerade als ich mit Hertha begonnen hatte, Sabine’s Zimmer zu räumen, ging die Tür auf und eine vollkommen erschöpfte Sabine betrat den Raum. Die Reiseleiterin hatte sie in ein Taxi gesetzt und zum Hotel zurückgeschickt, wo sie Gott sei dank auch gesund angekommen war, was in Rio nicht so selbstverständlich ist. Franz war in das allgemeine Krankenhaus eingeliefert worden. Dort verstand keiner der Ärzte oder Schwestern Deutsch und mit Englisch kam man auch nicht sehr weit. Sofort begann die Reiseleiterin Franz und Hilde die Untersuchungsergebnisse zu übersetzen: Platzwunde am Kopf – wird genäht, Hand und Schlüsselbein gebrochen – wird gegipst, aber was am schlimmsten war, einige Halswirbel gebrochen – an einen Rückflug nach Europa war nicht zu denken. Hilde war natürlich total verzweifelt und wollte bei ihrem Mann im Krankenhaus bleiben. Sabine hatte mit der Versicherung gesprochen. Diese hatte schon Kontakt mit dem Krankenhaus in Rio aufgenommen und hatte einer Verlegung in eine Privatklinik zugestimmt. Dort könnte Hilde auch bei Franz bleiben und müsste nicht immer mit dem Taxi hin und her fahren, was in Rio sehr gefährlich ist.

Während Sabine noch duschte und sich umzog und alles für den Rückflug vorbereitete, gingen wir auf Kaffee und Kuchen. Etwas Süßes half in solchen Situationen immer. Für Sabine nahm ich eine riesengroße Schokorumkugel mit. Sie brauchte bestimmt auch etwas Aufbauendes. Als wir ins Hotel zurückkehrten, vernichteten wir noch unsere letzten Whiskey-Vorräte, was uns sehr gut tat. Pünktlich um 18:00 Uhr stand ein Bus vor dem Hotel. Als die Reiseleiterin kam, hatten wir schon unser gesamtes Gepäck verstaut und saßen zur Abfahrt bereit. Sie hatte uns keine guten Nachrichten aus dem Krankenhaus mitgebracht. Auf dem Weg zum Flughafen erzählte sie uns, dass Franz an der Wirbelsäule operiert werden müsste. Zurzeit würde er stabilisiert werden, um in die Privatklinik verlegt werden zu können.

Die Reiseleiterin ging dann zur Tagesordnung über. Sie sagte uns, dass wir zur Ausreise, das bei der Einreise ausgefüllte Formular und den Reisepass benötigen würden. Leider konnte ich meinen Ausreiseschein nicht finden, etwas, was mir sonst nicht passiert. Gut, dass wir am Flughafen noch etwas Zeit hatten. Ich holte mir noch so ein Formular und befüllte die Felder nach Hertha’s Vorlage. Ich würde einfach sagen, dass der Zollbeamte den Stempel vergessen hätte. Die Reiseleiterin bot mir dann noch an, den Schalter der LAN-Air zu suchen, um sich nochmals über den Schaden an meinem Koffer zu unterhalten. Leider war niemand mehr anwesend. Ein Schild wies darauf hin, dass es noch einen Schalter im ersten Stock geben würde. Wir versuchten es dann dort. Der Weg war aber leider umsonst. So konnte ich nur beten, dass mein Koffer seinen Weg bis Europa schaffen würde.

Dann musste ich noch durch den Zoll und hoffte, dass ich trotz fehlenden Stempels würde ausreisen können. Geschafft! Und der Heimreise stand nichts mehr im Wege. Um 21:00 Uhr begann der etwa 9,5 Stunden dauernde Flug nach Madrid. Der Rückflug war um nichts besser als der Hinflug. Die Iberia ist sch… 9,5 Stunden waren dann Zeit genug, um über die fast abgeschlossene Reise nachzudenken. Alle haben uns vor den gefährlichen Menschen an der Copacabana gewarnt. Wieso hatte uns niemand gewarnt, wie gefährlich die Natur hier ist. Ich sah beim Boarden zwei Frauen und einen Mann, die ihre Hand in Gips oder in einer Schlinge trugen. Alle waren Opfer der Wellen geworden. Die Reiseleiter müssten eigentlich wissen, wie viele Menschen hier jährlich verletzt werden. Wieso wurden wir nicht vorgewarnt?

Im unruhigen Schlaf kreisten die Gedanken aller sicher um den Verunfallten und seine Frau, die wir hinten lassen mussten. Von zwei der nettesten unserer Gruppe konnten wir uns nicht einmal verabschieden. Das tat uns allen sehr leid. Deshalb muss ich den Ball an Euch alle weiterspielen – Rio, meine Traumstadt – oder ein Albtraum?

Eingestellt von fegoesrio 23:04 Archiviert in Brasilien

Budget accommodation in Brasilien

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Sonntag, 21.11.2010

Christus, Erlöser der Welt

sunny 32 °C

Zu Christus hatte ich gebetet, dass er uns vom Nebel erlöse und siehe da, am morgen konnte ich vom Hotel aus wieder auf die Spitze des Zuckerhutes sehen. Da die Sicht am Vormittag beständiger war, hatte uns Hannelore gebeten, gleich in der Früh für die Auffahrt auf den Corcovado gerüstet zu sein. Wir waren so rechtzeitig bei der Station der Trem do Corcovado, dass wir mit der ersten Zahnradbahn durch den Tijuca-Nationalpark auf den Gipfel des 710 m hohen „Buckligen“ fahren konnten. Im Jahr davor gab es Hochwasser und Vermurrungen auf den Abhängen und die Bahn konnte nicht benutzt werden. Diese Gelegenheit ergriff man, um die 38 m hohe Christi-Erlöser-Statue Cristo Redentor in ihre Einzelteile zu zerlegen und über die Serpentinenstraße ins Tal zu bringen. Dort wurde sie dann gereinigt und in Stand gesetzt.

Corcovado mit Christusstatue vom Zuckerhut aus

Corcovado mit Christusstatue vom Zuckerhut aus

Die Corcovado Rack Railway ist 3,8 km lang und wurde 1884 eröffnet und 1980 erneuert. Zwei elektrische Garnituren können im Halbstundentakt in 20 Minuten Fahrzeit 360 Passagiere befördern. In der Hochsaison kann es schon mal vorkommen, dass man einige Stunden warten muss, um zur Aussichtsplattform zu gelangen. Immerhin zieht die beliebteste Sehenswürdigkeit Rios jährlich etwa 300.000 Besucher an. Zur Aussichtsterrasse der 1931 eingeweihten Christusstatue gelangt man über eine Treppe mit 220 Stufen und seit 2003 auch mit einer Rolltreppe oder zeitgemäß mit einem Panorama-Aufzug. Zuerst kann man sich schwer entscheiden, ob der Anblick der sauber polierten Christus-Statue oder der Ausblick, den diese Figur Tag für Tag genießen kann, beeindruckender ist. Ernst schaut Christus auf seine Stadt nieder. Was er wohl von den Bewohnern Rios und den tausenden Touristen hält?

Christi-Erlöser-Statue Cristo Redentor

Christi-Erlöser-Statue Cristo Redentor

Allerdings ist der Ausblick, den man von hier aus auf alle Teile der Stadt hat, wohl durch Nichts zu überbieten. Man sieht direkt auf den Zuckerhut, den Rodrigo de Freitas See, die berühmte Copacabana, den Strand von Ipanema, das Maracana Stadion (Fassungsvermögen von über 100.000 Personen), auf unzählige Favelas, auf den Tijuca-Nationalpark, und auf Downtown Rio mit dem Dom und der dahinterliegenden Brücke nach Niteroi.

Ausblick vom Cordovado aus Richtung Niteroi

Ausblick vom Cordovado aus Richtung Niteroi

Hier könnte man einen ganzen Tag verbringen. Aber andere Sehenswürdigkeiten warteten noch auf uns. Ein Erlebnis war die Talfahrt durch den Tijuca National Park. Der 32 Hektar große Park ist der größte wieder aufgeforstete Regenwald der Welt. Einst musste die ursprüngliche Vegetation Kaffe- und Zuckerrohrplantagen weichen. König Don Pedro II erkannte allerdings die Auswirkungen dieser Handlungsweisen und ließ ab 1861 in über 10-jähriger Arbeit über 100.000 Bäume neue pflanzen. Er wollte dadurch die fortschreitende Erosion aufhalten und einen Schutzwald gegen die Folgen der dramatisch ansteigenden Regenfälle erreichen. Außerdem wurden so die Trinkwasserreserven der Stadt für kommende Generationen gesichert. Heute beherbergt der Nationalpark 30 Wasserfälle, über 100 verschiedene Tierarten und Hunderte verschiedener Pflanzen und Bäume. Einer dieser Bäume war besonders interessant. Leider konnte ich den Namen nicht erfragen. Der Lokführer hielt auch extra für uns an, damit wir die großen, gelben Früchte genau betrachten konnten. Essbar sind diese Kugeln, die aus dem Stamm sprießen, allerdings nicht.

Eigenartiger Baum im Tijuca National Park

Eigenartiger Baum im Tijuca National Park

Auf der Fahrt Richtung Innenstadt kamen wir dann an den langen Tribünen vorbei, die extra für die Sambavorführungen beim Karneval dienen. „Auf den Tribünen des nach Plänen von Oscar Niemeyer 1984 in nur 120 Tagen erbauten Sambódromo im Stadtteil Estácio haben 88.500 Zuschauer Platz. Die Paraden beginnen in der 700 Meter langen Arena jeweils um 21 Uhr und dauern pro Festtag etwa 10 Stunden. Jede Sambaschule (Escolas) tritt mit 3000 bis 5000 Teilnehmern an, aufgeteilt in bis zu 40 Gruppen mit 5 bis 8 Festzugswagen (die aus Sicherheitsgründen nur von Hand gezogen werden dürfen), die jeweils genau 120 Minuten Zeit für ihre Parade bekommen. Die meisten der prächtig kostümierten Teilnehmer haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, um sich die Kostüme leisten zu können, die sie hier für nur wenige Stunden tragen.“ (Teilweise aus Wikipedia)

Sambodromo, Rio

Sambodromo, Rio

Eine 14 km lange Autobahnbrücke verbindet Rio mit dem beschaulichen Vorort Niteroi. 1974 überquerte der Rolls Royce des brasilianischen Präsidenten als erstes Fahrzeug die Brücke, die in 5 Jahren Bauzeit errichtet worden war. Sie ist die größte Brücke Brasiliens und die siebtgrößte der Welt. Niterói ist die einzige brasilianische Stadt, die von einem Indio gegründet wurde. Dieser Name aus der Tupi-Sprache bedeutet "verstecktes Wasser".

Auf einem steil aufragenden Felsen hat der berühmte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer das Niteroi Contemporary Art Museum errichtet. Außer diesem Gebäude hat er noch einen Großteil der Bauten in Brasilia entworfen sowie das UNO Gebäude in New York. Er gilt als der Johannes Heesters Südamerikas. Mit über 100 Jahren arbeitet er heute noch. Nachdem seine erste Frau 2004 starb, heiratete er 2006 mit 99 Jahren seine 38 Jahre jüngere Sekretärin. Vielleicht inspiriert sie ihn bei seinen Entwürfen.

Das Kunstmuseum in Niteroi, kurz MAC, wurde allerdings schon 1996 fertig gestellt. Das 16 Meter hohe Gebäude hat einen Durchmesser von 50 Metern. Niemeyer entwarf das Gebäude nach einer Lotusblüte, die sich in einem Teich spiegelt. Böse Zungen allerdings behaupten, dass der Architekt das Gebäude hier als UFO landen ließ. Die Schräge der fliegenden Untertasse ist dem Gelände des gegenüberliegenden Zuckerhutes angepasst, auf dem man von hier aus einen schönen Blick hat. Auf den drei Geschossen des Gebäudes fand gerade eine Ausstellung statt. Es war erstaunlich, was alles zu Kunstwerken (z. B. alte Nylonstrümpfe) verarbeitet werden kann.

MAC, Museum Moderner Kunst von Niemeyer in Niteroi

MAC, Museum Moderner Kunst von Niemeyer in Niteroi

Da sich die Kleinbusse, die für den Tag von den Reiseleiterinnen gebucht worden waren, sich während des Tages immer wieder verspätet hatten, wurden wir von der Firma zu einem Getränk eingeladen. Der Niteroi Strand war dafür der ideale Ort. Wie überall an Rio’s Stränden herrschte auch hier buntes Treiben. Leider war das kleine Strandcafe etwas überfordert, als unsere Reisegruppe sich hier niederließ. Es dauerte eine Weile, bis die Caipis und Guaranas (antialkoholische Cola mit Kirschen versetzt) serviert wurden. Sie mussten daher umso schneller getrunken werden, da wir rechtzeitig im Fährhafen sein mussten. Einige wurden durch die Geschwindigkeit ganz aus der Bahn geworfen.

Buntes Treiben am Niteroi-Strand

Buntes Treiben am Niteroi-Strand

Im Bus wurde es richtig lustig, alle – na ja nicht gerade alle – waren gut aufgelegt und machten Witze. Manch einer kann es leider nicht so vertragen, wenn sich andere wohl fühlen. Von Arariboia nach Rio braucht die Fähre ungefähr eine Stunde. Auch die Schiffsroute führt entlang der Niteroi Autobahnbrücke. Die großen Kreuzfahrtsschiffe laufen unter dieser Brücke in den Hafen ein und die Einflugsschneise des Flughafens folgt ebenso dieser Route. Deshalb gab es während der Fahrt auch viel zu sehen.

Der offizielle Teil unserer Südamerika-Reise ging mit der Rückkehr in unser Hotel zu Ende. Der restliche Nachmittag und der nächste Tag standen zur freien Verfügung. Die Reiseleitung war eigentlich nur noch für unseren Transport zum Flughafen verantwortlich. Wir freuten uns schon auf einen Besuch der Copacabana. Jetzt war baden und sonnen angesagt.

Also verstauten wir alle unsere Habseeligkeiten und Wertsachen in unseren mittelalterlichen Safe (Zuerst hatte auch der nicht funktioniert. Dann erhielten wir neue Batterien und mussten das Ding neu programmieren. Jetzt hofften wir, dass er sich wieder öffnen würde), nahmen ein Handtuch vom Hotel und gingen die etwa 200 m zum Strand. Herrlich blau leuchtete uns das Meer entgegen, das sich kaum vom azurblauen Himmel unterschied. Ein Traum sollte in Erfüllung gehen– baden an der Copacabana, einem der berühmtesten Strände der Welt.

Bevor ich mich mit der Sonnenmilch eincremte und der feine, weiße Sand überball zu kleben beginnen würde, holte ich meine Kamera aus dem Plastiksack und machte noch rasch einige Bilder vom lustigen Treiben. Vom Strand aus hatte man einen wunderschönen Blick auf den Gipfel des Zuckerhutes und konnten sogar die Gondeln bei ihrer Berg- und Talfahrt beobachten. Durch die Linse sah ich auch, dass das Wasser sehr rau und die Wellen sehr hoch waren. Lauter rote Sonnenschirme schmückten wie eine Perlenkette den Verlauf des Strandes. Man hatte uns gesagt, am Strand wachsam zu sein, besonders abends. Am Tag fühlten wir uns relativ sicher und man sah auch keine auffälligen Personen. Auffällig war nur, dass niemand oben ohne lag, obwohl die Badekleidung bei Mann und Frau so verschwindend klein war, dass man manchmal den Eindruck hatte, dass die Strandgänger unbekleidet seien.

Rio, Copacabana

Rio, Copacabana

Peter und Hertha wagten sich zuerst ins kühle Nass. So konnte ich von ihnen einige Schnappschüsse machen. Leider war die Brandung wirklich so stark und die Wellen so hoch, dass von Schwimmen keine Rede war. Man musste sich vorsehen, nicht von einer Welle erfasst und zu Boden geschleudert zu werden. Dann gab ich mich auch dem Spiel mit dem Wasser hin. Ich begann die Einheimischen zu beobachten. Auch diese spielten eher mit den Wellen oder genossen den Fahrtwind beim Wellenreiten. Vergnügliches Schwimmen war hier für Otto-Normal-Verbraucher leider nicht möglich.

Die Sonne und die etwa 30 Grad genossen wir in vollen Zügen, mit dem Wissen, dass wir in zwei Tagen die Sonne wieder gegen Nebel und die Wärme gegen die Kälte zu Hause würden tauschen müssen. Irgendwann meldete sich dann der Hunger bei uns. Als wir im Hotel ankamen, nahm ich meinen beschädigten Koffer von der Rezeption mit. Ich musste wieder Alles darinnen verstauen und hoffen, dass er den Flug nach Hause schaffen würde. Nachdem wir uns geduscht und umgezogen hatten, begaben wir uns in unsere „Stammkneipe“. Im Lokal war es kühl, der Wein mundete, die Auswahl an Essen vielfältig, der Geschmack gut und das Preis- Leistungs-Verhältnis stimmte.

Nach dem Essen machten wir noch einen Spaziergang durch den Kunsthandwerksmarkt. Starke Scheinwerfer machten es taghell und die verstärkte Präsenz der Polizei ließ die Gegend sicher erscheinen. Die angebotenen Bilder und Schmuckstücke waren sehr bunt und zur hier lebenden Bevölkerung passend. Überall wurde in angenehmer Lautstärke Samba gespielt. Eine Strandbar bot Livemusik und hier ließen wir uns in einen der bequemen Sessel fallen. Die Möglichkeit draußen zu sitzen würden wir für lange Zeit wohl nicht mehr haben.

Eingestellt von fegoesrio 00:28 Archiviert in Brasilien

Samstag, 20.11.2010

Aussichtslos

sunny 32 °C

Trotz der vielen Unannehmlichkeiten des Vortages konnte ich relativ gut schlafen. Die erste Arbeit des Tages war das Ausräumen meines kaputten Koffers. Meine ganzen Habseeligkeiten musste ich im Kasten verstauen und laut Anruf der Fluggesellschaft den Koffer an der Rezeption zur Abholung und eventuellen Reparatur bereitstellen. Der freundliche Herr an der Frontdesk übernahm meinen Koffer mit einem Lächeln. Da dieser Tag in Rio Feiertag war (für irgendeinen Lokalpatrioten), glaubte er nicht, dass sich jemand um den Koffer kümmern würde – aber man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

Um meinen aufgestauten Unmut über das schäbige Hotel loszuwerden, setzte ich mich schon vor dem Frühstück ans Internet (in diesem Hotel leider nicht gratis, sondern teuer zu löhnen) und schrieb einen Beschwerdebrief an Marco Polo. Danach ging es mir viel besser. Beim Frühstück gab es im kleinen Restaurant ein dichtes Gedränge. Zwischen vielen Jugendlichen, die auf Schulwoche in ihrer Hauptstadt Rio waren, war es etwas schwierig zum Frühstücksbuffet zu gelangen.

Vor dem Hotel wartete ein großer Bus auf uns. Unsere Reiseleiterin, eine gebürtige Schweizerin, stand auch schon da. Sie war etwas nervös. Da es Wochenende war, galt auf der mehrspurigen Hauptstraße entlang des Strandes eine Einbahnregelung und so konnten wir vom Hotel aus nur über Umwege in die Innenstadt gelangen. Erstes Ziel war das oberhalb des Hafens gelegene Kloster Sao Bento. Die von den Benediktinern geführte Knabenschule gilt als eine der besten der Stadt. Das interessanteste und schönste Gebäude der Anlage ist sicherlich die Kirche. Sie ist reichlich mit Schnitzereien ausgestattet und beim Eintreten durch das doppelte Kirchentor wird man vom Glanz des vielen Goldes geblendet.

Kirche des Klosters Sao Bento, Rio

Kirche des Klosters Sao Bento, Rio

Draußen wurden wir dann vom Glitzern des Meeres geblendet. Vom Parkdeck des Klosters konnten wir auch schon einen ersten Blick auf die Brücke zum Vorort Niteroi werfen, den wir am nächsten Tag besuchen würden. Neben der schönen Kirche Nostra Maria Candelaria liegt die kleine, aber feine Altstadt von Rio. Hier kann man überall auf den Spuren der Kolonialmächte wandern. Dieser Teil der Stadt wurde mit großem finanziellen Aufwand saniert. Liebevoll wurden die alten Häuser mit stilvollem modernen Innenleben ausgestattet, wie überhaupt es durch die ganze Stadt auffällt, dass moderne Glasfronten die alten Barockbauten widerspiegeln.

Moderner Glasbau mit Gouverneurspalast

Moderner Glasbau mit Gouverneurspalast

Am historischen Platz des 15. Novembers erzählte uns Hannelore etwas über die Geschichte der Stadt, die am Fluss Januar liegt. Gaspar de Lemos entdeckte am 1. Januar 1502 die in der Guanabara Bucht gelegene Stadt und nannte sie deshalb Rio de Janeiro. Rio war bis 1960 die Hauptstadt von Brasilien, bevor die Regierung des Landes in die neue Hauptstadt Brasilia übersiedelte. Die Bewohner der mehr als 6 Millionen Einwohner zählenden Stadt nennt man Cariocas. Sie sind zum Großteil freundlich und friedlich und zur Zeit des Karnevals total durchgeknallt. Deshalb stört es ihre Bewohner wohl auch nicht sehr, dass die Stadtautobahn zum Teil mitten durch ihre Wohnzimmer geht. Eine Seite des Platzes wird von der alten Kathedrale gesäumt. Die mit bunten Kacheln verkleideten Kuppeln stellen einen großen Kontrast dar zum später besichtigten neuen Dom. Das alte Parlamentsgebäude beherbergt heute die Landesregierung.

Teile des Alten Doms von Rio

Teile des Alten Doms von Rio

Leider hatten wir keine Zeit in der berühmten Konditorei Colombo etwas von den vielen Süßigkeiten zu genießen, die sehr einladend aus den Auslagen ragten und schrieen: „Nimm mich“. Man hätte meinen können in ein Altwiener Cafe eingetreten zu sein. In den elf Straßenzügen daneben, auf dem Saara Markt, glaubte man eher, dass man sich in China befände. So strahlen die verschiedenen Stadtteile die Atmosphäre der hier gelandeten Einwanderer aus. Einzig das Gefühl des bevorstehenden Weihnachtsfestes wollte trotz der schönen Dekoration nicht aufkommen – kein Wunder bei über 35 Grad!

Nicht nur wir, sondern besonders unsere Reiseleiterin waren schockiert über den Zustand der Stadt. Überall lag Müll und Alkoholleichen lagerten vor verwaisten Kirchenportalen. Sie entschuldigte sich damit, dass am gestrigen Feiertag wohl etwas über die Stränge gehauen wurde. Sonst wurde noch in der Nacht oder früh am drauffolgenden Tag der Müll beseitigt. Da es jedoch Wochenende war, hatten auch die Straßenkehrer frei. Trotzdem waren wir eher enttäuscht von Rio’s Innenstadt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir es im übrigen Südamerika überraschend sauber fanden.

Rio Stadt der Kontraste

Rio Stadt der Kontraste

Einer der Höhepunkte unserer Stadtbesichtigung war allerdings der moderne und sehr geschmackvoll ausgestattete Dom von Rio. Der Betonbau in der Form eines Vulkans hat ein Fassungsvermögen von 20.000 Gläubigen. Durch die 96 m Diagonale und 75 m Höhe erscheint der Innenraum der nachgebauten Mayapyramide oder der stilisierten Bischofsmütze riesengroß. Vier bunte Glasfenster kriechen vom Boden aus zur Spitze empor um dort ein Kreuz zu bilden, unten dem sich der schlichte Altar befindet. Die Cathedral Metropolitana de Sao Sebastiao ist auch Verehrungsstätte der Schwarzen Madonna von Brasilien. Zwischen dem Dom und seinem freistehenden Glockenturm kann man einen Blick auf die große Christusstatue am Corcovado erhaschen.

Cathedral Metroplitana des Sao Sebastiao, Dom zu Rio

Cathedral Metroplitana des Sao Sebastiao, Dom zu Rio

Das frisch renovierte und mit Gold verzierte Theatro Minicipal (übrigens eine Kopie der Pariser Oper) wird von modernen Stahlbetonwolkenkratzern umgeben. Auf der anderen Seite des Platzes ist die Nationalbibliothek auch in einem altehrwürdigen Gebäude untergebracht – wie eben schon gesagt, Rio, die Stadt der Kontraste. Rio ist nicht nur Großstadt, sondern auch ein kleines Badeparadies. Der Busfahrer entschloss sich für den Rückweg ins Hotel die Straße entlang der Küste zu nehmen, wo sich Strand an Strand reiht. Der weiße Sandstrand des Yachthafens wird allerdings nicht zum Baden benutzt. Hier ist das Wasser zu verseucht. Dafür hat man aber von hier aus einen herrlichen Blick auf den Zuckerhut. Nach einer kurzen Rast würde dieser Berg auch unser Ziel sein.

Zuckerhut vom Corcovado aus

Zuckerhut vom Corcovado aus

In einem kleinen Imbiss gegenüber dem Hotel aßen wir eine Kleinigkeit. Vor allem war der Durst groß und konnte hier gelöscht werden. Wir hatten gerade noch ein paar Minuten Zeit, um an der Rezeption nachzufragen, ob mein Koffer abgeholt worden war und im Zimmer etwas die Füße hochzulegen. Von unserem Zimmer aus konnten wir auf die Spitze des Zuckerhutes sehen. Hinter ihm zog verdächtig der Nebel auf. Rio ist ebenso wie Kapstadt berüchtigt für den Küstennebel, der sich über Tafelberg oder Zuckerhut wie eine Tischdecke legen kann. Meine Vorahnung sollte sich leider bewahrheiten.

Der Pao de Acucar ist ein steil aufragender Granitgipfel auf der Halbinsel Urca gelegen. Die Gesteine des Zuckerhutes weisen eine Verwandtschaft zu den Gesteinsformationen auf der zwar weit entfernten, doch gegenüberliegenden afrikanischen Küste auf, was als Beweis für das Auseinanderdriften der Kontinente gilt. Um den Gipfel des 395 m hohen Zuckerhutes, übrigens benannt nach dem leckeren Zuckerkegel der Feuerzangenbowle, zu erreichen, muss man den O Bondinho, eine Schweizer Seilbahn, besteigen oder den Klettersteig benutzen.

Bondinho, Seilbahn auf den Zuckerhut mit Klettergruppe

Bondinho, Seilbahn auf den Zuckerhut mit Klettergruppe

In zwei Etappen gelangt man auf den Gipfel. Bei Schönwetter bestiegen wir die verglaste Kabine. Nur kurz hatten wir einen herrlichen Blick auf die wunderschönen Strände. Kurz vor der Station auf dem Morro da Urca fiel der Nebel ein. Als wir ausstiegen, wurde es für kurze Zeit klar. Der Blick auf den Corcovado und die umliegenden Strände war atemberaubend – und leider nur von kurzer Dauer. Doch hatten wir einen Eindruck davon erhalten, wie schön die Stadt gelegen ist. Wir hofften, dass wir auf der Bergstation Zuckerhut vielleicht mehr Glück haben würden.

Corcovado vom Zuckerhut aus

Corcovado vom Zuckerhut aus

Doch leider zog der Nebel bis wir zur Spitze gelangten, seinen dichtesten Vorhang zu. Nur ganz kurze Blicke auf die unter und über uns liegende Welt wurden uns gewährt. Alle standen mit ihren Kameras gerüstet und wenn jemand schrie „Loch kommt“, dann waren alle schussbereit. Doch sah man während des Abdrückens, wie die nächste Nebelschwade vorbeizog. Die hier lebenden Affen hielten uns Touristen bei Laune, bis wir wieder die Gondel zur Talfahrt bestiegen.

Für den Nebel am Berg wurden wir durch herrlichen Sonnenschein am Strand entschädigt. Dort konnten wir in aller Ruhe unseren Apero genießen. Die meisten begnügten sich mit der Milch aus der Cocosnuß. Wir entschieden uns allerdings für einen Caipirinha. Für Interessierte hier das Rezept der Mixtur: 5 cl Cachaca, 0-2 cl Lime Juice, 2 Löffel braunen Rohzucker und 1 Limette.

Hier schein ein guter Wind zu herrschen, denn es gab viele verschiedene Fluggeräte, die über unseren Köpfen kreisten. Ebenso bunt wie ihre Schirme waren die Hütten in den Favelas, an denen wir auf der Rückreise ins Hotel vorbeifuhren. Die steilen Abhänge Rio’s werden von den Armen mit Hütten bestückt. Oft gibt es keinen Zuweg und meist auch keine Wasserleitung, geschweige denn ein Kanalisationssystem. Eine Woche nachdem wir wieder in „Good Old Europe“ waren, hörten wir von den schweren, tagelangen Regenfällen in Rio. Diese verursachten nicht nur Überschwemmungen, sondern vor allem Hangrutsche und ein Teil dieser Häuser, die am Hang gebaut worden waren, fand man in der Stadt wieder. Immer wieder trifft es die Ärmsten der Armen.

Bunte Favela

Bunte Favela

Endlich fuhren wir entlang der Copacabana, einen der wohl berühmtesten Strandabschnitte von Rio. Die Hauptstraße entlang der Küste war noch immer Einbahnstraße und auf der Gegenfahrbahn tummelten sich Radfahrer, Skater und Spaziergänger – eben wie bei uns, wenn der Wörther- oder Ossiachersee ein Mal jährlich ihren autofreien Sonntag haben. Dicht gedrängt lagen die Cariocas am Strand oder vergnügten sich mit Spielen der verschiedensten Art. Natürlich gibt es hier entlang der Promenade auch genügend Buden, wo man etwas zu essen oder trinken bekommen kann.

Rio Copacabana

Rio Copacabana

Peter träumte von einem Fischdinner mit Aussicht auf das Meer. Wir versuchten ein Restaurant zu finden, dass unseren Ansprüchen genügte. Rio ist eben auch eine Millionenstadt und die hat ihren Preis in der ersten Reihe fußfrei. Unsere Reiseleiterin hatte uns schon empfohlen, einen Buffetbetrieb zu suchen. Meist konnte man hier für einen bestimmten, recht günstigen Fixpreis so viel man wollte essen. Einen solchen Laden hatten wir in einer Seitenstraße entdeckt und wir beschlossen, von Buffet zu probieren. Alles hatte herrlich gemundet und da wir auch richtig hungrig waren, konnten wir unsere Bäuche vollschlagen.

Eingestellt von fegoesrio 23:52 Archiviert in Brasilien

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